Bestatterinnung Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt

Historische Entwicklung der Bestattungsarten

„Das Bestreben der Völker, ihre Toten zu ehren, ist so alt wie die Menschheit selbst.“
(Jürgen Gaedke - Handbuch des Friedhofs- und Bestattungsrechts)

Die Bestattung ergab sich in den frühesten Zeiten der Existenz menschlicher Gemeinschaften aus der Notwendigkeit, schädliche Einwirkungen des Verwesungs- und Fäulnisprozeß von den Lebenden fern zu halten. Wurde in den frühesten Zeiten seit der Menschwerdung der Leichnam nur mehr oder weniger entsorgt, so führte nur wenig später der bereits bei den frühesten Kulturstufen vorhandene Glaube an das Göttliche, an die Seele im Menschen und an das Weiterleben nach dem Tod (egal in welcher Form) zu einer ehrfurchtsvollen Behandlung der menschlichen Überreste und es wurde als heilige Pflicht empfunden, den Toten eine, ihrer Stellung in der Gemeinschaft entsprechende würdige Bestattung zu bereiten. Den äußeren Umständen und dem Entwicklungstand entsprechend entwickelten sich so die unterschiedlichen Bestattungsformen.

Steinzeit (Einteilung in Ältere Steinzeit [Paläolithikum], Mittlere Steinzeit [Mesolithikum] und Jüngere Steinzeit [Neoltihikum]) bezeichnet die metalllose Zeit - d.h. Werkzeuge, Waffen und Geräte waren aus Stein, Knochen oder Holz

Paläolithikum und Mesolithikum

(40.000 v. u. Z bis 4.000 v. u. Z)
Paläolithikum - geschlagene Steinwaffen und Geräte zumeist aus Feuerstein
Mesolithikum - kleinere und feiner bearbeitete Werkzeuge und Waffen


Bestattungsformen :

Versenken des Leichnams in Mooren und Sümpfen
Versenken des Leichnams im Wasser auch dem Meer
Aussetzen der Einwirkungen der Luft - je nach klimatischer Region
Verwesung und Fäulnis
Mumifizierung

Jüngere Steinzeit - Neolithikum

(4.000 v. u. Z. bis 1.800 v. u. Z.)
geschliffene und polierte Waffen und Werkzeuge aus Stein, erste Bodenbearbeitung
Entwicklung der Erdbestattung
Zeugnisse sind die Großsteingräber (Megalithgräber).

Bronzezeit ( 1900 bis ca.800 v. u. Z.)

[Einteilung in nordischer Kreis, Aunjetitzer und Lausitzer Kultur, Südwestdeutsche Hügelgräberkultur]
Bronze wird wichtigster Werkstoff.

Erst Skelettgräber dann Brand- und Urnengräber. Entwicklung der Feuerbestattung.
Die Feuerbestattung wird zur vorherrschenden Bestattungsart und verdrängt die in Mitteleuropa bis dahin vorherrschende Erdbestattung.

Einbalsamierung in Ägypten , Entstehung erster Nekropolen.
Aussetzen der Toten auf Booten oder Schiffen bei seefahrenden Völkern.

Eisenzeit ( ab etwa 1000 v. u. Z. bis zur Zeitenwende)

[Einteilung in Hallstatt - Zeit 800 - 500 v. u. Z. und La Tene - Zeit 500 v. u. Z. bis zur Zeitenwende]
Eisen wird wichtigster Werkstoff. Die Feuerbestattung ist vorherrschende Bestattungsform.
Erste Nekropolen im Minoisch- Kleinasiatischen Raum (Knossos) Urnenfeldkulturen in Europa - Verbrennen der Toten und Begraben der Asche in tönernen Urnen; mit Ausnahme der Oberschicht in den sich entwickelnden keltischen Stämmen. Diese wurden in hölzernen Kammern, über denen Erdhügel (Tumulus) von bis zu 100 m Durchmesser und 15 m Höhe angehäuft wurden. Mit steigendem Wohlstand der Völker nimmt die Häufigkeit der Erdbestattungen wieder zu. Einbalsamierung in Ägypten. Aussetzen der Toten auf Booten und Schiffen bei seefahrenden Völkern.

Antike (Altertum, alte Kultur Griechenlands und Roms ab 500 v. u. Z.)

Erdbestattung und Feuerbestattung existieren nebeneinander.
Einbalsamierung für Ägypten weiter vorherrschende Bestattungsform.
Im antiken Griechenland nimmt die Häufigkeit der Erdbestattungen wieder zu , nachdem sie vormals, in mykenischer Zeit (um 1000 v. u. Z.) fast ausnahmslos angewendet wurde, dann aber durch die Leichenverbrennung abgelöst worden war. Zu homerischer Zeit, war die Leichenverbrennung die vorherrschende Bestattungsart. Im antiken Rom sind Bestattungen Privatangelegenheit der Bürger, mit der Ausnahme, daß Leichen nicht im Stadtgebiet verbrannt oder beerdigt werden dürfen. In der Regel wurde der künftige Bestattungsplatz bereits zu Lebzeiten ausgewählt und entsprechend vorbereitet. Es überwog noch die Leichenverbrennung. (Sulla, Pompeius, Cäsar, Augustus - die größten Helden Roms wurden verbrannt.)

Gemeinsame Bestattungsplätze haben sich nur mehr oder weniger zufällig ergeben, sind aber kein Ausdruck für eine gewollte oder verordnete Gemeinsamkeiten in der Religion, Weltanschauung oder sozialen Stellung sondern vielmehr Ausdruck gleicher Vorlieben für bestimmte Orte, der Erreichbarkeit dieser Orte oder des sozialen Status. Gemeinsamkeiten oder die Zusammengehörigkeit der Toten werden nur durch Blutsverwandtschaft oder väterliche Gewalt bestimmt.

Diese Bestattungsplätze lagen ursprünglich zerstreut, durch diese Vorlieben oder die finanziellen Notwendigkeiten entwickelten sich jedoch Gräberfelder (durch Stiftungen und Bestattungsvereine) und Gräberstraßen (Via Appia), neben den weiter von der Oberschicht bevorzugten Einzel- oder Familiengrabanlagen an exponierter Stelle.

Sie stellten keine rechtliche Einheit (öffentliche Begräbnisstätte im heutigen Sinne) dar.
Bei den Germanen waren Erd- und Feuerbestattungen gleichermaßen üblich,
wobei die Leichenverbrennung den nordischen Völkern am meisten geheiligt gewesen scheint, da sie Ausdruck heroischer Vorstellungen war. Auch hier war die Bestattung Sache der Familie oder Sippe und es gab keine gemeinsamen Begräbnisplätze. Dieser Platz wurde von der Familie oder Sippe ausgewählt. Mit der Eroberung Ägyptens durch Alexander von Mazedonien (der Große) und die darauf folgende ptolemäische Epoche verlor die Einbalsamierung an Bedeutung und wurde im Zuge der Romanisierung vollends verdrängt. Bei den Israeliten war (und ist) die Beerdigung die übliche Bestattungsform, die nach Möglichkeit noch am selben Tage vor Sonnenuntergang zu erfolgen hatte, da eine Leiche das Trauerhaus unrein machte.

Das Aussetzen Verstorbener auf Booten oder Schiffen bei seefahrenden Völkern wird auf die Fürsten und Anführer (Wikinger/Nordgermanen) beschränkt.

Spätantike bis Frühes Mittelalter

Die Entwicklung des Christentums hatte zunächst keinen Einfluß auf die Bestattungsbräuche.
Erd- und Feuerbestattung existierten weiterhin nebeneinander. Die ersten Christen (im römischen Reich) folgten der Sitte der privaten Einzel- und Familienbegräbnisse. Mit dem Erstarken des Christentums und letztlich seiner Installation als Staatsreligion im römischen Reich führt die Lehre von der Glaubensgemeinschaft aller Christen dazu, daß die Totenfürsorge nicht mehr allein als Angelegenheit der Familie (des Verstorbenen) sondern als Aufgabe der Gemeinde als großer Familie betrachtet wird. In den Vordergrund trat nunmehr der religiöse Akt der christlich- kirchlichen Bestattungsfeier für die ein geeigneter gemeinsamer Ort ausgewählt wurde. Diese ersten gemeinsamen Begräbnisplätze (ursprünglich von wohlhabenden Familien für ihre Mitglieder später auch für andere Gemeindemitglieder angelegt) lagen oftmals unterirdisch. (Katakomben)

Christliche Begräbnisplätze unter freien Himmel (sub divo) gab es jedoch auch schon zu Zeiten der Christenverfolgung. Ab dem 3. Jahrhundert gingen diese Begräbnisplätze allmählich in das Eigentum der Kirche über. Mit der Durchsetzung des Christentums als Staatsreligion wurde begonnen, über den Gebeinen der Märtyrer Kirchen zu errichten, oder diese Gebeine in den Altären der Kirchen zu bestatten. Die Nähe zu den Märtyrern suchend erfolgten immer mehr Bestattungen in der Kirche und dann im Atrium (Vorhof) der Kirche. Die Sitte, die Atrien der Kirchen für Bestattungen zu nutzen, führte, nachdem der Raum ausgeschöpft war, dazu, Begräbnisplätze - die später umfriedet wurden - in der Umgebung der Kirchen (Kirchhöfe) als ordentliche und gemeinsame Begräbnisplätze (Friedhöfe) zu nutzen. Mit der Ausbreitung des Christentums verschwindet die Leichenverbrennung nach und nach. Bei den Israeliten ist und war Leichenverbrennung nicht gebräuchlich.
In den Ausklang der Spätantike fällt die Entstehung des Islam in Arabien. Dieser kennt nur die Erdbestattung. Andere Bestattungsformen wurden mit zunehmender Islamisierung verdrängt.

Frühes Mittelalter ( 500 bis 950 u. Z.)

Die Erdbestattung setzt sich mit zunehmender Christianisierung durch.
Karl der Große verbietet die Leichenverbrennung bei Todesstrafe im Jahre 785.
Die Einzelbestattung außerhalb der Kirchen und Kirchhöfe verschwand im 10. Jahrhundert gänzlich.
Aus der gewohnheitsmäßigen Übung entstand eine gesetzliche Bindung der Kirchenmitglieder zur ausschließlichen Nutzung des kirchlichen Begräbnisplatzes woraus sich gleichzeitig die Verpflichtung für jede Pfarrkirche ergab, einen eigenen Begräbnisplatz anzulegen und zu unterhalten.
Die Kirche stellte daraufhin die Leichenfürsorge der Seelenfürsorge gleich und bezog die Aufgabe der Bestattung in die kirchliche Ordnung ein. (Kirchenrecht „anständiges Begräbnis“)
Die Sitte der Bestattung auf Booten oder Schiffen wird mit zunehmender Christianisierung auch in Nordeuropa vollends verdrängt, wogegen sich der Brauch der Leichenverbrennung bis in das 12. Jahrhundert hält. Die Seebestattung als Übergabe des menschlichen Leichnams an die See wird unter Vorbehalt seitens der Kirche als Notbehelf akzeptiert ist aber nicht erwünscht.

Mittelalter bis Reformation ( 950 bis 1517)

Der Kirchhof blieb das ganze Mittelalter hindurch ordnungsgemäße Begräbnisstätte.
Die Kirche als Eigentümerin des Friedhofs erließ die Bestimmungen über die Vergabe der Gräber und in welcher Form die Bestattung vorzunehmen war. Andersgläubige, Exkommunizierte und Verbrecher erhielten kein Recht auf ein ehrliches Begräbnis und wurden in aller Regel vor den Toren der Stadt oder außerhalb der Gemeinde begraben. Nur selten gab es eigene Begräbnisplätze für Andersgläubige (Juden).

Reformation bis Neuzeit

Die Erdbestattung ist die alleinige Bestattungsform obwohl es bereits im 16. Und 17. Jahrhundert erste Bestrebungen zur Wiedereinführung der Feuerbestattung gibt.
Nach der Reformation entstanden die unterschiedlichen christlichen Bekenntnisse in Westeuropa.
Die Gleichstellung der Konfessionen nach dem Westfälischen Frieden von 1648 bedingte auch, das Recht auf Bestattung auf einem Friedhof auch der anderen Konfession, so daß erste staatliche Regelungen darauf hinausliefen, Katholiken die Bestattung auf einem protestantischen Friedhof zu ermöglichen, wie umgekehrt Protestanten das Recht erhielten auf den Kirchhöfen katholischer Gemeinden bestattet zu werden. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts blieb die Totenbestattung jedoch grundsätzlich kirchliche Angelegenheit, es wurde in der Erde bestattet. (Auch wenn Friedrich der Große am 27.02.1741 ausdrücklich anordnet, daß „sein Leichnam auf römische Art verbrannt und in einer Urne bei Rheinsberg beigesetzt werden solle“.)

Gleichberechtigt waren zunächst jedoch nur Protestanten und Katholiken.
Dieses Recht wurde nach und nach auf die Angehörigen anderer Konfessionen und Glaubensgemeinschaften ausgedehnt. Daraus entstand der Gedanke des Simultanfriedhofs.
Im 18. Und 19. Jahrhundert setzte sich die Auffassung, daß die Anlage und Unterhaltung öffentlicher, von den Konfessionen unabhängiger Begräbnisplätze Aufgabe des gesamten Gemeinwesens - also des Staates oder zumindest der Kommune - sei, immer mehr durch.

Die bis dato in Notzeiten angelegten „Feldbegräbnisse“ (in Kriegs- und Notzeiten) wurden nun von den Städten angelegt, um konfessionsunabhängige Begräbnisplätze zur Verfügung zu stellen. (Umfassendste Regelung im Preußischen Allgemeinen Landrecht vom 05.02.1794)
Mit dem Erstarken der Nationalstaaten treten kirchenrechtliche Vorschriften in den Hintergrund. Es erscheinen die ersten von der Kirche unabhängigen gesetzlichen Regelungen.

Frankreich

1797 wurde dem Rat der 500 ein Antrag auf Einführung der fakultativen Feuerbestattung vorgelegt. Aufgrund einer wissenschaftlichen Untersuchung wurde die Feuerbestattung in Frankreich im Jahre 1800 offiziell zugelassen.

Deutschland

Am 28.11.1849 hält Jakob Grimm seine Rede „Über das Verbrennen von Leichen“ vor der königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin. 1855 fordert der preußische Oberstabsarzt Trusen aus Neiße die Einführung der obligatorischen Leichenverbrennung aus medizinisch, hygienischer Sicht und bringt 1856 eine entsprechende Eingabe im preußischen Abgeordnetenhaus ein.
1876 findet der erste europäische Kongreß für Feuerbestattung in Dresden statt.
1878 konstruiert W. v. Siemens den ersten brauchbaren Heißluftofen.
Im selben Jahr wird das erste deutsche Krematorium in Gotha eröffnet, das zweite folgt 1891 in Heidelberg.

Das erste Krematorium in Europa eröffnet bereits 1876 auf dem
Camposanto in Mailand.

Erst mit Beginn der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gründeten sich Vereine zur Förderung der Feuerbestattung, die entsprechend den erschienen gesetzlichen Regelungen mit dem Bau von Krematorien beginnen konnten und die Feuerbestattung wieder einführten.
Bestattungsgesetze sind heute allgemein üblich und in jedem europäischen Land Bestandteil des Gesetzeswerkes.

Heute sind Erd- und Feuerbestattung gleichermaßen akzeptierte und praktizierte Bestattungsformen.
Die anteilmäßige Häufigkeit der jeweiligen Bestattungsform ist jedoch aus den unterschiedlichen Prämissen heraus verschieden.

Alle anderen Formen werden nur noch in Ausnahmefällen praktiziert und sind dabei den jeweils geltenden gesetzlichen Bestimmungen unterworfen.

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